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Episode 22

Ausblick – Was noch kommt

Je mehr ich über meinen Großvater Theo Hespers und sein Leben herausfinde, desto umfangreicher werden die Recherchen. Gut für den Podcast – aber nicht sofort.

Karteikarten mit Namen drauf liegen auf der Tastatur eines iPads. Darauf Stifte und Marker. Auf dem Bildschirm des iPads leuchten einige Notizen

Anfang 1936 hat mein Großvater eigentlich alle Menschen um sich versammelt, die für den Fortgang seiner Geschichte wichtig sind. Seinen Freund Max, der ihm seit drei Jahren immer wieder neue Unterkünfte besorgt und inzwischen fast schon ein Familienmitglied ist. Seinen Weggefährten Hans Ebeling, genannt Plato, mit dem er schon früher gemeinsam politisch aktiv war und mit dem er eine Widerstandszeitschrift gründen wird. Und Toos Verhagen, die Frau, die nicht nur seine Geliebte sein wird, sondern auch höchst interessante Kontakte in mitbringt.

Es gibt zwei Gründe, warum es hier im Moment nicht so richtig weitergeht. Zum einen musste ich einfach mehr Zeit in meine Arbeit investieren. So spannend es ist, dieses Blog zu betreiben und nach den Spuren meines Großvaters zu forschen, so zeitintensiv ist es auch. Während ich das hier mache, kann ich kein Geld verdienen. Ich musste einfach kurz die Prioritäten verschieben.

Zum anderen ist mir wichtig, dass ich euch keinen Quatsch erzähle in diesem Blog. Und das wird ab jetzt etwas schwieriger. Einfach, weil mein Großvater auf so vielen Ebenen mit so vielen Menschen agiert hat. Aber einen kleinen Ausblick auf das, was euch noch erwartet, wenigstens den will ich euch heute mal geben. Denn das spannendste passiert erst noch.

In diesem Zeitraum zwischen 1936 und 1937 entspinnt sich etwas. Es ist eine Zeit, in der die Repressionen gegen die Bündische Jugend zunehmen. In der die Gestapo neu formiert und die Judenverfolgung weiter intesiviert wird. Hitler spricht immer unverhohlener vom Krieg und die Exilanten verspüren immer stärker das Bedürfnis, dieser ganzen Entwicklung etwas entgegen zu setzen.

Die Recherchen dauern an

Schon bevor mein Großvater zusammen mit Hans Ebeling eine Widerstandszeitschrift verlegt, schreibt er für verschiedene Publikationen. Zum Beispiel hat er Kontakt mit einem BREYNEN oder BRIJNEN (in den Verhörprotokollen finden sich beide Schreibweisen). Er ist Redakteur der Zeitschrift Eenheid dor Democratie (E.D.D.). Ab wann mein Großvater für ihn tätig wird und für wie lange – tja – das hab ich noch nicht herausgefunden. Auch für die katholische Zeitschrift „Der deutsche Weg“ schreibt mein Großvater Artikel. Es geht um die Auswirkungen der HJ-Pflicht auf katholische Jugendliche. Auch hier habe ich bislang kaum Anhaltspunkte für einen konkreten Zeitraum.

Noch spannender allerdings ist die Tatsache, dass mein Großvater durch seine journalistische Arbeit auch Kontakt zum britischen Geheimdienst bekommt – dem Secret Intelligence Service (kurz SIS). Nur wann das genau anfängt… ich weiß es einfach nicht. Noch nicht. Ich bin sicher, ich bekomme das raus, sobald ich anfange die gesammelten Daten miteinander zu verknüpfen. Aber auch dafür brauche ich noch Zeit – und ich muss vor allem die Verhörakten zu Ende lesen.

Zum Dritten hat mein Großvater ja auch ganz nebenbei noch Flüchtlinge aus Deutschland unterstützt. Ein Flüchtlingsnetzwerk aufgebaut. Darüber ist allerdings fast gar nichts bekannt. Ich schätze, weil das für die Gestapo der Teil war, der am wenigsten spannend war. Ich persönlich würde da allerdings gerne mehr drüber wissen.

Und trotz Exil war mein Großvater ziemlich viel unterwegs. Mehr als ein mal war er vor Ausbruch des Krieges in Irland und Großbritannien. Er war in der Schweiz, in Belgien sowieso, vielleicht sogar in Frankreich. Und er hatte Kontakte zu einem tschechischen Geheimdienstagenten. So steht es jedenfalls in den Akten. Aber kann das sein?

Einarbeiten in Geschichte

Ich kann euch versprechen: es ist unglaublich spannend und unglaublich vielfältig, was mein Großvater da geleistet hat. Aber ich muss einfach noch mehr wissen. Und ich muss mich noch ein bisschen tiefer in die deutsche Geschichte einarbeiten. Denn was ich auch gerne noch genauer verstehen würde: Was sind die Auslöser? Warum handelt mein Großvater auf die ein oder andere Weise? Welche Ereignisse in Deutschland können da mit reinspielen?

Ich hab mich leider nie für Geschichte interessiert. Aber jetzt, da die Ereignisse einen persönlichen Bezug bekommen, weil sie die Motivation meines Großvaters erklären können, jetzt wird’s einfach spannend. Und ich fände es ziemlich ärgerlich, hier Fehler zu machen.

Also: habt noch ein bisschen Geduld! Es geht bald weiter. Wer in der Zwischenzeit ein paar persönliche Texte zum aktuellen Geschehen verfolgen möchte, kann dies gerne via Facebook tun. Dort veröffentliche ich die Texte, die zwar einen Bezug zu meinem Großvater haben, aber nicht zur Geschichte hier im Blog passen.

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Die Titelseite der ersten Ausgabe von "Kameradschaft - Schriften junger Deutscher". Die Überschrift lautet "Kameradschaft". Die ersten Zeilen lauten: "Wir stehen im Kampfe, wir jungen Deutschen. Was unsere Sehnsucht in Jahren reichen Jugendlebens war, was wir für uns und unser Volk erträumten und ersehnten, ist ferner denn je. Was wir uns schufen, ist zerstört oder tödlich bedroht. Unser Wollen ist verfehmt, unsere Gemeinschaft verboten."

Episode 33

Die Kameradschaft: Schriften junger Deutscher. Teil 1

November 1937 – der erste Versuch der Widerstandsgruppe, sich im niederländischen Exil gegen die Nazis zu verbünden ist gescheitert. Aber mein Großvater Theo und sein Freund Plato alias Dr. Hans Ebeling denken gar nicht daran aufzugeben. Im Gegenteil. Es ist ihnen gelungen, genug Geld aufzutreiben, um eine eigene Zeitschrift zu gründen: „Kameradschaft – Schriften junger Deutscher“.

zur Folge

12-11-2017
Die Titelseite des Buches von Elisabeth van Blankenstein zeigt einen jungen Marcus van Blankenstein, ihren Großvater, am Schreibtisch in die Kamera lächelnd. Transparent im Hintergrund sind die verschiedenen Zeitungstitel der Publikationen zu erkennen, bei denen von Blankenstein gearbeitet hat. Auf der rechten Seite ein Auszug aus dem Buch, in dem die Enkelin die Haltung ihres Großvaters zum Naziregime einordnet.

Episode 26

Beste Kontakte ins Reich (1)

Einer der bedeutendsten Kontakte meines Großvaters Theo Hespers war ein niederländisch-jüdischer Journalist: Dr. Marcus van Blankenstein. Er Mann mit weitreichenden Kontakten und ein scharfer Kritiker des deutschen Nazi-Regimes.

zur Folge

29-01-2017
Titelseite der Dezember-Ausgabe 1938 von "Die Kameradschaft" mit dem Artikel "Der 'Friede'"

Episode 41

„Schlimmer als ein Pogrom“

Im Dezember 1938 veröffentlicht mein Großvater in der Widerstandszeitschrift „Die Kameradschaft“ einen Augenzeugenbericht der Novemberpogrome. Die Ereignisse werden darin als „schlimmer als ein Pogrom“ bezeichnet.

zur Folge

09-11-2018

Lesungen & Vorträge

  • 10. März 2024, um 11 Uhr in Wuppertal (genauere Infos folgen)
  • 21. März 2024, 18 Uhr, Buchmesse Leipzig
  • 7. Mai 2024, Fritz-Bauer-Forum, Bochum
  • 19. Mai 2024, EL-DE-Haus, Köln
  • 8. Juli 2024, Herford

Weitere Lesungen für 2024 sind ebenfalls in Planung. Zum Beispiel in Göttingen, Heidelberg, Augsburg und München.