#13 – Erste Station: Melick

#13 – Erste Station: Melick

Wir befinden uns im Sommer 1933, im niederländischen Örtchen Melick – ca. 10 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. Zu Fuß braucht man ungefähr fünf Stunden bis Mönchengladbach. Mit dem Fahrrad braucht man knapp zwei Stunden. Hier hat mein Großvater das erste Mal versucht, sich nach der Flucht eine neue Existenz aufzubauen.

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24. März 2015 2

#12 – Klopapier aus Goebbels Briefen

#12 – Klopapier aus Goebbels Briefen

Jedes Mal, wenn ich zu meinem Vater fahre, um mit ihm zu sprechen, habe ich eine ganze Liste Fragen im Gepäck. Trotzdem gibt es immer diese Momente, in denen ich ihn mit großen Augen ansehe und denke: bitte, was?! Bei meinem letzten Besuch Mitte Februar hatte ich gleich zwei mal das Vergnügen. Und immer sind es so kleine Nebensätze, die er wie selbstverständlich einschiebt, die ich aber für echte Sensationen halte.

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7. März 2015 0

#11 – Kein Weg zurück

#11 – Kein Weg zurück

Wenn mein Vater von der Flucht und seiner Zeit in Holland spricht, bekommt er oft leuchtende Augen. Für ihn war das alles ein riesiges Abenteuer. Das meiste davon zumindest. Und er freut sich, darüber sprechen zu können: “Ich erlebe das dann alles noch mal”, hat er bei meinem letzten Besuch Anfang Februar gesagt – und sich aufrichtig gefreut. Kein Wunder, schließlich war er damals noch ein kleiner Junge. Die Dramen der Geschichte spielen sich oft zwischen den Zeilen ab. Wie das Drama der Ehe zwischen meinem Großvater und seiner Frau Käthe – meiner Oma.

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20. Februar 2015 4

#10 – Zwischen den Zeiten – Teil 3

#10 – Zwischen den Zeiten – Teil 3

Historische Orte sind immer ein bisschen seltsam. Und Berlin hat ganz schön viele davon. Vor allem da, wo die ganzen Regierungsgebäude sind, schreien einen die Epochen regelrecht an. Ich bin in der Niederkirchner-Straße 8 verabredet in der Topografie des Terrors. Direkt gegenüber dem Abgeordnetenhaus und dem Martin-Gropius-Bau. Vor mir fahren doppelstöckige Touribusse vorbei. Und ich versuche mir vorzustellen, wie es hier 1942 ausgesehen haben könnte. Ich betrete das Gelände mit gemischten Gefühlen, weil ich nicht so recht weiß, was mich erwartet.

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8. Februar 2015 2

#9 – Zwischen den Zeiten – Teil 2

#9 – Zwischen den Zeiten – Teil 2

Mir ist von Anfang an klar, dass ich die Stellen finden werde von denen Matthias gesprochen hat. Die Stellen, die darauf hinweisen, dass während des Verhörs irgendetwas passiert ist. Besonders lange muss ich dazu nicht lesen. Es ist ein spezieller Moment. Einer, der sich nicht so leicht in Worte fassen lässt.

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31. Januar 2015 0

Spurensuche

Es gibt viele Geschichten über meinen Großvater. Die meisten hat mein Vater aufgeschrieben. Aber ich bin immer noch auf der Suche nach Dokumenten, die mir helfen herauszufinden, wie mein Großvater sich organisiert hat, mit wem er zusammen gearbeitet hat und wo er überall war. Wer was weiß: gerne Mail an mich.

Die Anachronistin ist ein Blog, das sich der Lebensgeschichte von Theodor Franz Maria Hespers und seiner Familie widmet – betrachtet mit den Augen der Gegenwart. Ich, Nora Hespers, bin die Enkelin dieses Mannes, der als Widerstandskämpfer im Exil gegen das Naziregime arbeitete. Das macht mich zunächst mal zu nichts. Außer eben vielleicht zu einer Chronistin der eigenen Familiengeschichte.

Die Anachronistin gibt es auch als Podcast! Wer also keine Zeit zum Lesen hat, der klickt sich einfach in den Podigee MP3-Feed, auch als AAC-Feed, Opus-Feed oder Vorbis-Feed zu haben. Oder ihr abonniert “Die Anachronistin” einfach im iTunes Store.

Am 12.12.1903 – vor genau 111 Jahren – wurde mein Großvater geboren: Theodor Franz Maria Hespers. Für mich ist mein Großvater ein Mythos. Eine Heldenfigur. Und jemand, der mein Leben bis heute beeinflusst. Er starb am 09.09.1943 in Berlin Plötzensee – ermordet von den Nazis.

11 Responses

  1. Volker Wehrmann

    …hab gerade über deinen Blog im Radio gehört, und bin sehr gespannt, was da noch so kommt…
    Sonnige Grüße aus Detmold, Volker Wehrmann

    • Nora Hespers

      Hallo Volker,

      da kommt noch so einiges… eine unglaubliche Geschichte einfach. Stecke allerdings grade tief in der Recherche. Aber bald geht’s weiter – versprochen.

      Herzliche Grüße

      Nora Hespers

  2. hallo, nach der radiosendung neulich war ich ganz gespannt, was mich mit diesem blog erwartet … ich bin überrascht und habe vollen respekt darüber, wie tief du in die geschichte einsteigst. nicht nachlassen …
    gerhard

  3. manfred skierlo

    Hallo Nora ,

    gestern nachmittag klingelte es an unserer Tür und davor stand Dein Vater Dirk.
    Seit über dreißig Jahren besucht er uns, immer überraschend, in unregelmäßigen
    Abständen. Mal sind es Monate, mal Jahre. Aber immer haben wir die Zeit, uns
    lange über die jüngste aber auch die weit entfernte Vergangenheit zu unterhalten.
    Für uns ist und war Dirk immer der liebenswerte Chaot (für Dich, Deine Schwester
    und deine Mutter nicht immer einfach). Aber dieser Hunger nach Leben hat seinen
    Grund sicherlich in den Erfahrungen als Kind und Jugendlicher im Exil und auf der
    Flucht.
    Betrachtet man besonders die Ereignisse der letzten Monate, so sind diese Erfahrungen
    um so wichtiger und die Auseinandersetzung mit ihnen kein Anachronismus.
    Dirk hat uns von Deinem Blog erzählt und sein Stolz war ihm deutlich
    anzumerken.
    Auch brachte er uns zwei Gläser Marmelade mit, die meine Lebensgefährtin Maria
    mit der gleichen Skepsis betrachtet, die Du Speisen gegenüber beschreibst,
    die Dirk gekocht oder gebacken hat.

    Ob Maria die Marmelade (eine Mischung aus Trauben, Banane und Apfel) aufs
    Brot streichen wird ?

    Manfred

    • Nora Hespers

      Hallo Manfred,

      vielen Dank für deine Nachricht. Und ich sehe es ähnlich, dass die Auseinandersetzung kein Anachronismus ist. Aber ich bin ziemlich nah dran an der Geschichte für jemand, der Ende der 70er geboren ist. Das macht mich schon ein bisschen zu jemandem, der aus der Zeit gefallen ist.
      Dann bin ich mal gespannt, wie die Marmelade schmeckt.

      Herzliche Grüße

      Nora

  4. hallo,
    am letzten wochende habe ich drikkes wiedermal auf der burg waldeck getroffen. die treffen (leider zu wenige) sind immer wieder spannend!
    wir kennen uns seit einigen jahren, aber nie war langeweile angesagt. der bursche kann ja auch einiges erzählen! auch habe ich von ihm eine reihe lieder gelernt und auch in die nacht (da waren wir nur zu zweit) gesungen. ein traumhaftes erlebniss.
    da der kerle ja keine e-mail adresse hat, fänd ich das super nett wenn du/ihr ihm dat mal mitteilen könnt.
    für den nerother schwarzen haufen
    fram

  5. Emile Cantor Samama

    Liebe Nora,
    Habe volles Verständnis für dein Suchen nach Gerechtigkeit für dein Großvater. War dabei in Amsterdam gestern und habe dich und dein Vater bewundert. Ziehe selber auch immer die Parallelen zur Gegenwart und werde immer depressiver. Habe gott sei Dank meine Arbeit, die mich am Leben lässt. Gebe nicht auf.
    Liebe und herzliche Grüße

    • Nora Hespers

      Hallo 🙂

      vielen Dank für deine Zeilen! Nicht verzweifeln an der Gegenwart, bitte. Es gibt ganz im Stillen auch eine Gegenbewegung. Menschen, die überall ganz still helfen und Gutes tun. Klar, es gibt die Tage, da sehe ich auch schwarz. Aber dann schau ich mir all die Hilfsprojekte an, die es gerade gibt. Und dann weiß ich: da ist Schatten, aber da ist auch Licht. Wir müssen die Schatten verscheuchen.
      Ganz herzliche Grüße

      Nora

  6. Huhu Nora,

    sehr schöne Reihe! Für immer pro Licht. Bin praktisch schon auf dem Weg in die Sonne!

    Freue mich & Grüße Dich,

    Monika

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